Programm der Fachtagung


Sehr geehrte Damen* und Herren, liebe Mitstreiter*innen, liebe Community, das Projekt „WIR SIND HIER!“ von RomaTrial e.V. lädt Sie und Euch herzlich ein zu unserer Fachtagung:

Wir wollen’s wissen!
Bildungskonzepte neu denken. Ungleiche Bildungschancen für Sinti* und Roma* benennen und bekämpfen

Mittwoch, 10.04.2024
9.30 bis 17.00 Uhr
Grüner Salon / Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz (Berlin-Mitte)

Die Fachtagung belichtet aus unterschiedlichen Perspektiven Bildungschancen und Realitäten junger Sinti* und Roma*. Neben einleitendem Input und spannenden Workshops wird es viel Raum zum Austausch und zur Vernetzung geben. In Form einer Projektgalerie gibt es die Möglichkeit, innovative Methoden und erfolgreiche Projekte, die sich gegen Antiziganismus im Bildungssystem engagieren, persönlich kennen zu lernen.

Printprodukte des Projekts "Wir Sind Hier!"

Programm:

9.30 Uhr Anmeldung & Kaffee

10.00 Uhr Begrüßung & Tagesablauf

Redner*innen:
Hamze Bytyçi (Vorsitzender von RomaTrial e.V.),
Thomas Heppener (Leiter des Referats für Demokratieförderung im
Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend)
und Jugendliche aus dem Projekt WIR SIND HIER!

10.30 Uhr Input: Bildungssituation von Sinti* und Roma* in Deutschland und mögliche Antworten: das Projekt WIR SIND HIER! von RomaTrial e.V. und die Wissenskampagne der Hildegard-Lagrenne-Stiftung

11.15 Uhr Vorstellung der Workshops
11.30 Uhr Projektgalerie
12.00 Uhr Mittagspause mit Projektgalerie und Vernetzung
13.00 Uhr Workshops
15.30 Uhr Kaffee-Pause

15.45 Uhr Präsentation der Workshopergebnisse als Fishbowl-Diskussion mit den Workshop-Referent*innen und dem Publikum. Moderation: Leah Carola Czollek

16.45 Uhr Fazit: Was können die Regelstrukturen von unserer Arbeit lernen?

Übersicht der Workshops:

  1. WIR SIND HIER für alle!
    Mit Estera Sara Stan, Alexander Rönisch, Merle Weißbach (WIR SIND HIER! / RomaTrial e.V.)

Der Workshop bietet einen Einstieg in das Thema Rassismus gegen Sinti* und Roma*. Anhand von Videos, kurzen Inputs, sensibilisierenden Übungen und durch viel Raum für Fragen und Austausch gewinnen die Teilnehmenden ein grundlegendes Verständnis dafür, wie tief die Wurzeln des Antiziganismus liegen und warum der Antiziganismus bis heute ein gravierendes und dennoch oft ignoriertes gesellschaftliches Problem bleibt.

Dieser Workshop unterstützt Lehr- und Fachkräfte dabei, Sicherheit in diesem Themenbereich zu gewinnen, Antiziganismus zu erkennen und Inspiration zum Einbinden des Themas in den Unterricht zu finden. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich.

  1. Nie mehr sprachlos bei rassistischen Aussagen gegen Sinti* und Roma* sein!
    Mit Kelly Laubinger (Sinti Union Schleswig-Holstein)

Foto: Kaja Grope

Sie haben schon gute Vorkenntnisse bezüglich der Geschichte der größten Minderheit Europas und wissen dennoch manchmal nicht so richtig, wie Sie auf rassistische Aussagen gegen(über) Sinti* und Roma* im Bildungsbereich reagieren sollen? Dann ist dieser Workshop genau der Richtige für Sie. Im Workshop werden in Gruppen unterschiedliche Aussagen bearbeitet, reflektieret und gemeinsam Gegenargumente überlegt. Desweiteren werden präventive Handlungsmöglichkeiten erörtert.
Der Workshop richtet sich insbesondere an pädagogische Fachkräfte, Sozialarbeiter*innen und alle, die Antiziganismus im Alltag schlagkräftig begegnen möchten.

  1. Zwischen Kulturverständnis und Bildungsauftrag – Roma* und Sinti* im Schulsystem: Handlungsempfehlungen für Akteurinnen im Schulkontext Mit Dzoni Sichelschmidt, Sozialarbeiter und Bildungsberater für Sinti und Roma*

Der Workshop zeigt die spezifischen Probleme auf, denen Roma- und Sinti-Schülerinnen sowie das Schulpersonal im Schulalltag begegnen – von Sprachbarrieren bis zum fehlenden Bewusstsein für Antiziganismus seitens der Schulen. Die Teilnehmenden lernen konkrete Maßnahmen zur Verbesserung der Bildungschancen von Roma und Sinti* kennen, Dzoni Sichelschmidt teilt seine Erfahrungen als Bildungsberater für Sinti* und Roma, insbesondere an der Ganztagsschule St. Pauli und an der Stadtteilschule am Hafen in Hamburg. Während des Workshops werden praktische Tipps und Strategien zur Unterstützung von Roma- und Sinti-Schülerinnen geteilt und Fragen zu Möglichkeiten und Grenzen schulischen Handelns diskutiert.
Der Workshop richtet sich an Lehrerinnen, Schulpersonal, Bildungsberaterinnen, Fachpersonen aus der Verwaltung und Politik und alle, die sich für eine gerechtere Bildung von Roma* und Sinti* engagieren.

  1. Sinti* und Roma* in aktuellen Bildungsmedien
    Mit Riem Spielhaus, Leiterin der Abteilung “Wissen im Umbruch” am Georg-Eckert-Institut und Professorin für Islamwissenschaft

Foto: Julius Matuschik

Eine Empfehlung der Kultusministerkonferenz von 2013 regt dazu an, “Lehr-/Lernmaterialien im Hinblick darauf, ob die vielschichtige, auch herkunftsbezogene Heterogenität der Schülerinnen und Schüler berücksichtigt ist” zu prüfen und ggf. eine Ergänzung der Materialien vorzunehmen. Die Workshopteilnehmenden sichten dieser Anregung folgend aktuelle Schulbuchdarstellungen von Sinti* und Roma* und sammeln Ideen und Impulse zu deren Ergänzung.
Zielgruppen des Workshops sind Lehrkräfte sowie Verfasser*innen von Schulbüchern und anderen Bildungsmaterialien.

  1. Strategien der emotionalen Auseinandersetzung in der Arbeit gegen Antiziganismus
    Mit Sara Paßquali, Trainerin und Beraterin

Bei bestimmten Themen, wie Antiziganismus, scheint es besonders relevant, sich emotional sicher zu fühlen und die richtigen Worte innerhalb des Austausches zu finden. Dabei ist professionelles Handeln, wie Nähe und Distanz, wenn man selbst betroffen ist, gar nicht so einfach. Gemeinsam mit den Teilnehmenden schaut Sara Paßquali aus der Empowerment-Perspektive auf die folgenden Punkte: Resilienz, Self-Care, Fallstricke, Wirk- und Abwehrmechanismen sowie Rhetorik.
Der Workshop richtet sich insbesondere an Fachkräfte, die selbst von rassistischen und anderen Diskriminierungsformen betroffen sind.

Hinweise zur Barrierefreiheit:

Der Grüne Salon der Volksbühne ist aus bautechnischen Gründen für Rollstuhlnutzerinnen nicht zugänglich. Die meisten Workshops (13.00 bis 15.30 Uhr) finden im benachbarten Karl-Liebknecht-Haus statt und sind für Rollstuhlnutzerinnen zugänglich.

Der Input-Teil der Fachtagung sowie die Abschlussdiskussion werden in die deutsche Gebärdensprache gedolmetscht. Beim Bedarf für eine Gebärdensprachverdolmetschung der Workshops geben Sie uns bitten einen Hinweis bei der Anmeldung.

Es ist ein Awareness-Team vorhanden.

Anmeldung:

Wir bitten um eine Anmeldung bis zum Mittwoch, dem 20.03.2024 unter post@wer-ist-hier.de Bitten geben Sie folgende Informationen an:

Name:
Pronomen:
Organisation:
Wunschworkshop sowie Ihr Zweitwunsch:

Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme. Bringen Sie gerne relevante Materialien zum Auslegen mit. Diese Einladung kann gerne an weitere Interessierte weitergeleitet werden.

„Jugendliche ohne Grenzen“ zeichnet WIR SIND HIER! mit dem „Initiativenpreis des Jahres 2023“ aus

Hinweis zu Foto- und Videoaufnahmen:

Auf der Fachtagung werden Foto- und Videoaufnahmen gemacht. Mit Ihrer Teilnahme erklären Sie Ihre Einverständnis. Wenn Sie nicht gefilmt/fotografiert werden möchten, gibt es bei der Anmeldung vor Ort die Möglichkeit, sich einen einen entsprechenden Aufkleber abzuholen. Wir werden Ihren Wunsch respektieren.

Hintergrundinformationen:

Worum geht’s?

Die rassistische Benachteiligung von Roma* und Sinti* im deutschen Bildungssystem ist nach wie vor massiv – dies belegen sowohl wissenschaftliche Untersuchungen als auch gelebte Erfahrungen von betroffenen jungen Menschen. Für sie ist Schule viel zu oft kein sicherer Ort, der Lernen und Entfaltung ermöglicht. Erfolgreiche berufliche Perspektiven werden ihnen erschwert oder gar verweigert. Dass Bildung ein Menschenrecht ist, zu dem sich 160 Länder, darunter auch Deutschland, in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte bekannt haben, wird oft vergessen oder ignoriert und auch kaum weiter vermittelt. Unzählige Berichte Betroffener machen dies deutlich.
Die Fachtagung möchte vor allem den Blick darauf richten, welche Ansätze in den letzten Jahren entwickelt wurden, um die Bildungschancen für Roma* und Sinti* gerechter zu machen und was beispielsweise von Modellprojekten wie WIR SIND HIER! über den Projektrahmen hinaus und in die Regelstrukturen übertragen werden kann.
Vor allem aber möchten wir mit Ihnen und Euch zusammenkommen: Um gemeinsam zu diskutieren, Perspektiven auszutauschen und uns im Kampf gegen Antiziganismus im Bildungssystem zu vernetzen.

Wer sind wir?

WIR SIND HIER! ist ein vom Bundesprogramm Demokratie Leben! sowie vom Berliner Partizipations- und Integrationsprogramm gefördertes, mehrfach ausgezeichnetes Modellprojekt in Berlin, Brandenburg und Sachsen, in dessen Rahmen junge Roma* als Peer-Trainerinnen gegen Antiziganismus ausgebildet und weitere Bildungstools gegen Antiziganismus entwickelt und erprobt wurden: Ein Forum-Theaterstück, ein partizipativer Dokumentarfilm und die virtuelle Besichtigung eines ehemaligen Konzentrationslagers. WIR SIND HIER! befindet sich gerade im fünften, also im letzten Projektjahr. Aus diesem Grund möchten wir die Chance nutzen und gemeinsam mit Ihnen und Euch Erfahrungen austauschen und nach weiteren erfolgreichen Ansätzen für die Bekämpfung von Antiziganismus im Bildungssystem zu suchen. Mit der zweiten Fachtagung im Rahmen des Projekts wollen wir Möglichkeiten schaffen, sich mit diversen Akteurinnen im schulischen und außerschulischen Bildungsbereich auszutauschen, damit wir Bildungskonzepte neu denken und gemeinsam voneinander lernen können.