WIR SIND HIER!


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Bildungsprogramm gegen Antiziganismus


WAS IST ANTIZIGANISMUS?


Antiziganismus ist eine Form des Rassismus, der sich gegen Roma*, Sinti*, Kale*, Kalderasch*, Lovara*, Lalleri*, Ursari*, Beasch*, Manouches*, Ashkali*, Aurari*, Romanichals*, Droma*, Doma*, Gypsies*, Travellers* und andere Menschen richtet, die mit dem „Z-Wort“ stigmatisiert werden. Dieses Wort ist für die Meisten allerdings eine Beleidigung und eine schmerzvolle Erinnerung an die NS-Zeit, während der eine halbe Million Sinti* und Roma* von den Nazis ermordet wurde – vielen von ihnen wurde in Auschwitz das „Z“ in den Arm tätowiert.


Deshalb verwenden wir die Eigenbezeichnungen. Die oben genannten Beispiele zeigen, dass sie so vielfältig sind, wie die Menschen selbst. In Deutschland sprechen wir von Sinti* und Roma*: Sinti*  leben seit Jahrhunderten im deutschsprachigen Raum und sind heute als eine nationale Minderheit anerkannt. Der Begriff Roma* wird international als Oberbegriff für verschiedene Menschen mit Romno-Hintergrund verwendet.


Aufgrund von Antiziganismus wird Roma* und Sinti* ihre Heterogenität und Individualität jedoch aberkannt – sie werden zu einer vermeintlich homogener Gruppe konstruiert, der negative Eigenschaften zugeschrieben werden. Selbst wenn manche zugeschriebenen Eigenschaften wie Musikalität auf den ersten Blick als positiv erscheinen – auch sie haben nur einen Zweck: Die vermeintliche „Fremdartigkeit“ zu unterstreichen und zu exotisieren.


Dies hat für Sinti* und Roma*tiefgreifende, strukturelle und oft lebensbedrohliche Folgen. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg ging die Verfolgung ununterbrochen weiter. Die Überlebenden sahen sich bei ihren Entschädigungsanträgen den gleichen Peinigern ausgesetzt, die an der Organisation ihrer Deportation in die Konzentrationslager beteiligt waren. Der Bundesgerichtshof hat 1956 entschieden, dass Sinti* und Roma* wegen „eigener Asozialität, Kriminalität und Wandertrieb“ verfolgt wurden, und demnach selbst schuld an ihrem Völkermord seien. Erst 2016 wurde dieses Grundsatzurteil aufgehoben. Und auch heute werden Sinti* und Roma* angegriffen und ermordet: 2017 und 2018 wurden zwei Häuser in Plauen, Sachsen, in Brand gesteckt, in denen überwiegend Roma lebten. Im März 2019 wurden eine Romni und ein Rom bei einem Messerangriff in der Berliner U-Bahn schwer verletzt und dabei antiziganistisch beschimpft. Im Mai 2019 wurde ein Brandanschlag an eine Roma-Familie in Erbach, Rheinland-Pfalz, verübt. Drei der Opfer des rechtsradikalen Terroranschlags in Hanau im Februar 2020 waren Roma, bzw. eine Romni. Im April 2020 wurden in der Nähe von Freiburg bei einem Einsatz von Polizei- und Ordnungsamt Angehörige einer Roma-Familie zum Teil schwer verletzt – durch Bisse eines Polizeihundes und Faustschläge. Die erschreckende Liste der Gewalttaten und institutioneller Diskriminierung könnte fast unendlich lang fortgeführt werden.


 

WAS MACHT ANTIZIGANISMUS AUS?


Antiziganismus ist kein „Minderheitenthema“. Es ist ein Phänomen unserer Gesellschaften, das ähnlich wie andere Formen von Rassismus und gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit vorherrschende Machtstrukturen stützt. Bei der Bekämpfung von Antiziganismus muss daher der Fokus auf der Mehrheitsgesellschaft liegen. Zugleich müssen die Stimmen der vom Antiziganismus Betroffenen endlich anerkannt und gehört werden.


 

WAS MACHEN WIR?


Diese Grundsätze leiten uns bei unseren Fragen: Wie können wir gemeinsam für eine bessere Welt kämpfen, in der Vielfalt gefeiert wird, und strukturelle Ausgrenzung und Benachteiligung Geschichte sind? In der sich alle sicher und frei fühlen? Und überhaupt: Wer sind wir?


Diesen und anderen wichtigen Fragen im Bereich der Diskriminierung gegen Roma* und Sinti* widmet sich das von RomaTrial e.V. initiierte Projekt „Wir sind hier! Bildungsprogramm gegen Antiziganismus“ auf theoretische wie auch auf praktische Weise. Wir möchten, dass Antiziganismus in seiner Komplexität insbesondere durch einen gemeinsamen Wissensaustausch sichtbar gemacht wird. Dadurch entwickeln wir Strategien, um die damit verbundenen gesellschaftlichen Probleme zu erkennen, zu benennen und in einem gesunden Wege entgegenzutreten.


 

EINE GANZ BESONDERE ROLLE…


…kommt in diesem Prozess jugendlichen Roma* und Sinti* zu, die parallel zum bundesweiten Vernetzungsprozess unter Fachkräften in drei lokalen Gruppen in Berlin, Brandenburg und Sachsen ausgebildet werden, sich als Peer-Trainer*innen aktiv an der Entwicklung und Durchführung von Bildungsangeboten gegen Antiziganismus zu beteiligen. Neben der methodischen und fachlichen Ausbildung dienen die Gruppen, die auch für Nicht-Roma*, bzw. Menschen mit anderen Diskriminierungserfahrungen offen sind, auch als Raum, sich mit den eigenen Erfahrungen auseinanderzusetzen und die Frage „Wer sind wir?“ neu zu verhandeln.


 

IHR SEID…


… Jugendliche und möchtet Teil einer Gruppe werden, die sich gegen die Diskriminierung von Roma und Sinti engagiert?


… Mitglied einer Organisation oder Einzelkämpfer*in im Bereich der antirassistischen Bildungsarbeit und interessiert an Wissensaustausch?


… eine Schule oder Jugendeinrichtung, die sich im Themenfeld des Antiziganismus weiterbilden möchte?


Dann wendet euch jetzt schon an uns! In Kürze erreicht ihr hier unsere vollfunktionsfähige Webseite! Bis dahin sind wir für Fragen und Anfragen unter wir-sind-hier@romatrial.org erreichbar.


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„WIR SIND HIER! Bildungsprogramm gegen Antiziganismus“ wird gefördert durch das Förderprogramm „Demokratie leben!“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und durch das Partizipations- und Integrationsprogramm  der Berliner Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales.



Förderprogramm Demokratie leben!
Partizipations- und Integrationsprogramm  der Berliner Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales



Ein Projekt von RomaTrial e.V. http://romatrial.org/

RomaTrial e.V.